5000 EURO und zwei Vater Unser?

So oder ähnlich liest es sich zur Zeit in den Zeitungen über die Entschädigung sexueller Missbrauchsopfer der katholischen Kirche.

Hintergrund sind die vor ca. einem Jahr aufgetauchten Vorwürfe, dass an katholischen Einrichtungen wie Kloster Ettal, Odenwaldschule oder am Canisius-Kolleg sexuelle Gewalt an Kindern praktiziert wurde und sich dies auch bestätigt hatte. Die Betroffenen waren zu dem Zeitpunkt mal elf oder gar 8 Jahre alt. Man munkelt von ca. 3.000 Missbrauchsfällen in der Kirche, die genauen Zahlen werden wahrscheinlich nie aufgedeckt. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Frau Christine Bergmann, redet gar von über 11.000 Meldungen.

Viele der Opfer brauchen bis heute noch psychotherapeutische Unterstützung um im Leben zurecht zu kommen, und das seit teilweise 25 Jahren. Was so eine Unterstützung kostet, kann sich ja jeder selbst ausrechnen, das kann schon weit über den Zehntausender gehen.

Und jetzt kommt das Angebot der Kirche, jedem Betroffenen, der sich bei der Koordinierungsstelle meldet,  nach eingehender Prüfung eine Entschädigung in einer Höhe von bis zu 5000 EURO zu zahlen, die Betonung liegt auf: „bis zu“.

Nach Aussage der Kirche wird der Betrag nach „Schwere“ des Missbrauches gestaffelt.

Für mich würde das heißen: kleiner sexueller Missbrauch: kleine Entschädigung, etwas größerer Missbrauch: bisschen mehr Geld, großer Missbrauch: 5000 EURO.

Für Bischof Ackermann sieht das so aus.
Zitat: „eine pauschale Zahlung … die Kirche von einer materiellen Leistung in Anerkennung des Leids … solle es nicht geben. Der Fall eines Küsters, der einer Messdienerin an den Busen gefasst habe, solle nicht gleich behandelt werden wie Fälle jahrelanger Vergewaltigung“ Zitat Ende

Woher soll auch ein Bischof den Unterschied eines Busens kennen?

Und klingt wie auf dem Fischmarkt: kleine Fische kosten eben weniger…

Will sich die reichste Kirche der Welt aus der Affäre ziehen? Alles mal wieder runter spielen?

So nach dem Motto, war nicht soo schlimm? Denken die Herren Kirchenvertreter eigentlich auch daran, dass die Opfer ihr Leben lang unter dem Missbrauch leiden? Gerade für die Kirche sollte doch der Mensch an erster Stelle stehen (vor allem wenn sie auch noch von ihm finanziert wird)?

Auch ein gewisser Geldbetrag wird die Wunden nie heilen, weder große noch kleine.

Für mich ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, von einer reichen und mächtigen Einrichtung, die es aber nicht schafft, endlich mal mit der Zeit zu gehen und etwas einzugestehen das zweifellos bewiesen ist, und die Betroffenen anständig zu entschädigen.

Das wäre ein Zeichen der so hoch gepriesenen Nächstenliebe und der Moderne. Und das spiegelt sich auch in den vielen Austritten aus der Kirche nieder.

Und jetzt bitte noch mal lesen bevor ich „ans Kreuz geschlagen“ werde.

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update 06.09.2011

700.000 Euro für 70 Missbrauchsopfer

Das Benediktinerkloster Ettal will 70 Opfer von sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung mit insgesamt 700.000 Euro entschädigen. Die Betroffenen sollen Beträge zwischen 5.000 und  20.000 Euro erhalten. Der Verein Ettaler Missbrauchsopfer lobte das Entschädigungsmodell.
Quelle…

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